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Lehnert Agentur Charly Lehnert * Agentur & Verlag * Saarland                

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Charly Lehnert * Aktuelle Kolumne

Charly Lehnert ist Redakteur des Saar-Lor-Lux-Magazins
EuroSaar
das im Propos Verlag Bexbach erscheint.
In diesem von Gabriele Bayer herausgegebenen Magazin  
veröffentlicht er regelmäßig Beiträge zur Regionalkultur des Saarlandes,
Glossen und Kolumnen.

Auf dieser Seite veröffentlichen wir wechselweise seine Kolumnen zu
aktuellen Themen, die in dem Magazin EuroSaar im Propos Verlag
oder dem Magazin
Nemmmeh dehemm
im Lehnert Verlag erschienen sind.

Charlys Glosse

Zeit der guten Vorsätze und Zahlen

Eigentlich soll die Zeit um Weihnachten und Neujahr uns Besinnung,
Einkehr, Ruhe und Kraft für neue und gute Vorsätze bringen.
Kaum eine Jahreszeit ist jedoch sosehr bestimmt von magischen Zahlen
von genau festgelegten zeitlichen Abläufen.
 
Nehmen wir mal die 12. In vielen Kulturen gilt sie als kosmische Zahl
der Vollkommenheit. 12 Monate, 12 Stunden, 12 Sternzeichen, 12 Apostel, 12 Geschworene, 12 Eier …
Die 12 Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönigstag sind im Volksglaube 
als Rauhnächte bekannt. Die Seelen Verstorbener kehren zurück, die Zukunft wird sichtbar. Es ist der Übergang vom Geister-
zum Menschenreich.
Nach christlichem Verständnis ruhen seit dem Mittelalter in dieser Zeit Arbeit und Gerichtsbarkeit. Doch das ist längst vorbei. In dieser umsatz-trächtigen Zeit paaren sich in Medien und Märkten heute Kultur und Kommerz.

Nehmen wir mal die Zahlen 40 und 11. Mit bunten Laternen ziehen 40 Tage vor Winteranfang am 22. Dezember vielerorts Kinder durch Straßen und Gassen und feierten am 11.11. Sankt Martin. Und abends liegt in vielen Familien fein zerteilt und lecker angerichtet die Martinsgans auf den Tellern.
Für die Narren beginnt 
am 11.11. die 5. Jahreszeit, die im Jahr danach am Aschermittwoch endet. Noch einmal 40 Tage nach Weihnachten wird am 2. Februar Maria Lichtmess gefeiert. Bis Ostern sind es dann 40 Tage und bis Christi Himmelfahrt wiederum 40 Tage.
Und mittendrin 
in der Fastenzeit feiern unsere französischen Nachbarn
die „Mit-Fastnacht“, 
„micarème“, abgeleitet von Wort „quarante“ für 40. Was ist dran an diesem Spiel der Zahlen?

 Bereits im Mittelalter war die Zahl 11 als magische Zahl bekannt, 
eine Primzahl, die nur durch sich selbst oder eins teilbar ist. Die „Elf“ 
entstammt dem althochdeutschen „einlif“ und bedeutet eins über zehn, „Eins darüber“.
Die Bibel bezeichnet 
mit der Zahl 11 Menschen, die außerhalb der Sittengesetze stehen. Sie haben die 10 Gebote überschritten. 
Auf Darstellungen von Weltuntergängen und des Jüngsten Gerichts im
17. und 18. Jahrhundert zeigen 
Uhren stets die elfte Stunde.

Nehmen wir mal die Zahl 11 im Brauchtum der Fastnacht. Hier hat sie eine besondere Bedeutung. An den Elferräten hat sich die Frauenbewe-gung bis heute die Zähne ausgebissen. Hier machen 11 Männer traditionell alles unter sich aus. Mädchen und Frauen dürfen derweil kurzberockt nur vor der von Mannsbildern besetzten Bühne tanzen.
Von Ausnahmen abgesehen.

Dabei hat die 11 in der rheinischen Fastnacht historisch eine besondere Bedeutung: Der Kampfruf der Französischen Revolution, „Égalité, Liberté, Fraternité“ prägte mit den Anfangsbuchstaben ELF vieles im Brauchtum an Fastnacht.
Die Zahl 11 erlangte eine politische Dimension, kennzeichnete das Verhältnis der Untertanen zur Obrigkeit. In Köln konnten früher die Preußen verballhornt werden. In Mainz karikieren heute noch die Fasenachter unbotmäßig die französischen Besatzer.

Heute greifen Büttenschreihälse die Regierenden an und schicken Stammtisch-Parolen über TV-Schirme ans Millionenpublikum.

Wir fassen „zwischen den Jahren“ gute Vorsätze und erhoffen uns das Allerbeste vom vergehenden Jahr. Alles, was wir uns wünschen,
wird wohl wieder 
nicht in Erfüllung gehen. Aber wir lassen uns nicht Bange machen. Im Folgejahr soll wieder einmal mehrfach die Welt untergehen. Das weissagen uns die Zahlenmagier und finden immer einen Grund für ihre Weissagungen.. Warten wir es ab. 

Am besten eignet sich für das Erwarten jährlich der Silvesterabend,
in der Zeit 
zwischen 11 und 12 Uhr, bei einem Glas 12 Jahre alten Rotwein. - Bis es 13 schlägt.

Frohe Weihnachten und Prost Neujahr!

 Copyright: Charly Lehnert, Saarbrücken


 
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